Geschichte des Kinderhauses

 

1950 wird der katholische Stadtpfarrer Karl Weikmann bei einer Romreise auf Carlo Steeb aufmerksam. Er nimmt Kontakt zum Mutterhaus in Verona auf und bemüht sich darum, einige Schwestern der Sorelle della Misericordia in die 1949 errichteten Gemeinde St. Michael in der Tübinger Südstadt zu holen, da diese durch die Ankunft von katholischen Vertriebenen schnell wächst.

Die italienischen Schwestern erwerben daraufhin 1953 das erst im Jahr zuvor bezogene Wohnheim für studierende Flüchtlinge und Vertriebene und bauen einen dreigruppigen Kindergarten an. 1953 wird auch der gemeinnützige Verein "Karl-Steeb-Gründung e.V." ins Leben gerufen.

Am 03. Juli 1954 ist die Einweihung des Kindergartens für 110 Kinder und des StudentInnenwohnheims mit 70 Plätzen. Die Schwestern vermieten den Kindergarten bis 1957 an die kath. Gemeinde St. Michael.

Ab 1958 übernehmen die Schwestern den Kindergarten selbst. Sie errichten schon 1962 einen Mittagstisch für Kinder, die über Mittag nicht betreut sind.

In den Jahren 1963/64 entsteht das Flachdachgebäude für eine Ganztagesgruppe. Ein Werkraum und ein zusätzlicher Spielhof kommen dazu. Durch die Ganztagesbetreuung entwickelt sich die Einrichtung zum "Kindertagheim".

1965 wird die erste Hortgruppe benötigt, da einige der Ganztageskinder in die Schule kommen.

1977 sind im Haus 3 Kindergartengruppen, 2 Tagheimgruppen und 3 Schülerhortgruppen untergebracht. Dafür wurden mehrmals Wohnheimzimmer in Gruppenräume umgebaut.

1978 wird im Kindergartenbereich die "kleine Altersmischung" eingeführt, d.h. in jeder Kindergartengruppe werden jetzt 3-6jährige Kinder zusammen betreut (davor gab es üblicherweise altershomogene Gruppen). In der pädagogischen Arbeit gewinnt der Situationsansatz an Bedeutung.

1987 erfolgt die Umgestaltung zum Kinderhaus. Die bis dahin praktizierte Trennung der Kinder nach Betreuungsformen und Altersgruppen wird aufgehoben. Im ganzen Haus wird die "große Altersmischung" eingeführt, d.h. in den Gruppen werden nun Kindergarten-, Tagheim- und Schülerhortkinder gemeinsam betreut.

Durch die Teilnahme am Modellprojekt "Weiterentwicklung der Tagesbetreuung von Kindern" in den Jahren 1991-95 und in Abstimmung mit den Wünschen der Eltern werden unsere Betreuungsangebote weiter differenziert. Hervorzuheben ist v.a. das hohe Maß an Flexibilität, das den Eltern mehr Wahlmöglichkeiten bietet. Durch integrierte Kindergartenöffnungszeiten entfällt die starre Abholzeit, darüber hinaus können Eltern an einigen Tagen stark verlängerte Öffnungszeiten mit Mittagessen in Anspruch nehmen. Die Entscheidung zwischen Kindergarten- oder Ganztagsplatz enfällt, jede Familie kann sich so den passenden Betreuungsumfang zusammenstellen.

Durch die Mischung der Betreuungsformen in jeder Gruppe wird ein friedliches Zusammenleben von Kindern und Familien unterschiedlicher Herkunft, Sprache, Religion und sozialer Situation bewußt gefördert und die soziale Kompetenz aller Beteiligten gestärkt. Diese Erfahrung von Gemeinschaft und gegenseitiger Akzeptanz ist ein zentrales Anliegen im Kinderhaus.

Doch die Entwicklung geht weiter: 1995 wird die Altersspanne in den Gruppen wieder reduziert und eine eigene Schulkindergruppe ab Klasse 3 eingerichtet.

Im Jahr 2008 gibt es einen Wechsel: Die Katholische Gesamtkirchengemeinde Tübingen übernimmt die Trägerschaft für das Kinderhaus. Zu diesem Zweck vermietet der Orden das Gebäude an die Gesamtkirchengemeinde, die das Kinderhaus somit am selben Ort und in den selben Räumlichkeiten fortführt.

Im wesentlichen ist die Konzeption bis heute gleich geblieben, geringfügige Veränderungen ergeben sich durch die Ausdifferenzierung der Betreuungsformen und eine leichte Verschiebung der Öffnungszeiten.

Fazit:
So wie sich die Lebenssituationen der Kinder und Familien in diesen Jahren verändert haben, so hat sich auch das Kinderhaus verändert. Es war uns immer ein Anliegen, die unterschiedlichen Lebenssituationen und die daraus resultierenden unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder und ihrer Eltern zu erkennen und zu unterstützen. So verstehen wir den gesellschaftspolitischen Auftrag einer Tageseinrichtung und den christlichen Auftrag des Ordensgründers Carlo Steeb.

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